1. Zweck der Spezifikation

Diese Spezifikation definiert die technischen Regeln, Datenmodelle und Validierungskriterien für den Aufbau und Betrieb des Semantic Graph Layers in Aivis-OS.

Ziel ist es, Bedeutung, Relationen und Gültigkeit so zu modellieren, dass:

  • interne Widersprüche speicherbar bleiben
  • externe Schnittstellen ausschliesslich deterministische Zustände exponieren
  • Konflikte explizit identifizier- und auflösbar sind

2. Grundsatzregeln

2.1 Determinismus am Interface (verbindlich)

Externe Ausgaben (Machine Interface Layer, JSON-LD, TSCL, APIs)
dürfen zu keinem Zeitpunkt widersprüchliche Assertions exponieren.

Für jeden Kontext gilt:

  • maximal eine kanonische Assertion
  • alle anderen konkurrierenden Assertions bleiben intern

2.2 Multiplicity im Graph Core (verbindlich)

Der interne Semantic Graph muss konkurrierende Assertions parallel speichern können.

Ein Verlust von konkurrierender Information gilt als Architekturfehler.

3. Datenmodell

3.1 Entität (Node)

Jede Entität im Graph referenziert genau eine Entität aus dem Cluster-Level Entity Inventory.

Eigenschaften:

  • entity_id (Foreign Key, stabil)
  • schema_type
  • canonical_name

Der Semantic Graph erzeugt keine eigenen Entitäten.

3.2 Assertion (Edge)

Der Semantic Graph verwaltet Bedeutung ausschliesslich in Form von Assertions. Eine Assertion ist eine gerichtete, typisierte Aussage:

Subject (Entity)
→ Predicate (Edge Type)
→ Object (Entity | Literal)

Assertions sind First-Class Objects.

3.3 Pflichtattribute jeder Assertion

Jede Assertion muss folgende Attribute besitzen:

AttributBeschreibung
assertion_idstabile, deterministische ID
subject_entity_idReferenz auf Entität
predicatetypisierte Relation
objectEntität oder Literal
scopeKontext (z. B. Region, Organisation, Markt)
valid_fromBeginn der Gültigkeit
valid_throughEnde der Gültigkeit (optional)
provenanceQuelle
confidencenumerische Gewichtung (0.0 – 1.0)
statusACTIVE | DEPRECATED | CONFLICT

4. Typisierung der Relationen (Predicate Classes)

Ungetypte Relationen sind nicht zulässig.

Jede Assertion muss einem der folgenden Relationstypen zugeordnet sein:

4.1 Referential Relations

(z. B. mentions, about)

  • schwache semantische Bindung
  • keine Autoritätsübertragung

4.2 Structural Relations

(z. B. hasPart, isPartOf, subsidiaryOf)

  • definieren Hierarchien
  • dürfen keine Zyklen erzeugen

4.3 Attributional Relations

(z. B. author, manufacturer, ceo, copyrightHolder)

  • hochkritisch
  • dürfen pro Kontext nur eine kanonische Assertion besitzen

4.4 Contextual Relations

(z. B. competitor, isSimilarTo, regulatedBy)

  • dienen thematischer Einordnung
  • konfliktfähig

5. Konfliktmodell

5.1 Konflikterkennung

Ein Konflikt liegt vor, wenn:

  • zwei ACTIVE Assertions
  • mit identischem subject + predicate + scope
  • unterschiedliche object-Werte besitzen

In diesem Fall:

  • Status = CONFLICT
  • keine automatische Exposition

5.2 Konfliktauflösung (Resolution Rules)

Die Auswahl der kanonischen Assertion erfolgt nach folgender Priorisierung:

  1. Scope Match (exakter Kontext schlägt generischen)
  2. Temporal Validity (aktuell gültig schlägt historisch)
  3. Confidence Score
  4. Governance Override (manuelle Festlegung)

Nur die resultierende Assertion erhält den Status CANONICAL.

6. Exposition (Collapsed State)

Der Semantic Graph Layer liefert nach aussen ausschliesslich:

  • Assertions mit Status CANONICAL
  • exakt eine Assertion pro (entity, predicate, scope)

Alle anderen Assertions bleiben:

  • intern abrufbar
  • auditierbar
  • versionierbar

7. Versionierung & Mutation

7.1 Änderungen

Eine Änderung an Bedeutung erfolgt nicht durch Überschreiben, sondern durch:

  • Hinzufügen einer neuen Assertion
  • zeitliche oder statusbezogene Deaktivierung der alten

Historische Wahrheiten bleiben erhalten.

7.2 Löschung

Physische Löschung von Assertions ist nicht zulässig, ausser bei nachweislich fehlerhafter Ingestion.

8. Validierung & Testing

8.1 Graph Integrity Checks

Pflichtprüfungen:

  • Orphan Assertion Check (jede Assertion referenziert existierende Entitäten)
  • Cycle Detection (keine zirkulären Structural Relations)
  • Determinism Check (keine widersprüchlichen Assertions im Exposed Graph)

8.2 Coverage Metrics

Empfohlene Metriken:

  • Assertion Density pro Entität
  • Verhältnis typisierter Assertions zu reinem Text
  • Anteil konflikthafter Assertions (Monitoring, kein Fehler)

9. Zusammenspiel mit anderen Layern

  • Entity Inventory liefert stabile Identitäten
  • Semantic Graph Layer modelliert Bedeutung & Konflikt
  • Transport-Safe Content Layer spiegelt kanonische Assertions
  • Projection Layer serialisiert deterministische Zustände

Zusammenfassung

Semantic Graph Engineering ist keine Datenmodellierungsaufgabe, sondern eine Governance-Disziplin für Bedeutung. Durch explizite Assertions, kontrollierte Konfliktfähigkeit und deterministische Exposition stellt Aivis-OS sicher, dass:

  • interne Realität vollständig abgebildet
  • externe Wahrnehmung eindeutig
  • maschinelles Vertrauen stabil

bleibt – auch unter probabilistischen Systemen.

Linktipp

Der Semantic Graph Layer verlagert Bedeutung von der Interpretation in die Architektur. Er erlaubt interne Vielstimmigkeit, ohne externe Ambiguität zu erzeugen.

Identity & Definition Cluster-Level Entity Inventory Strategy
Cluster-Level Entity Inventory Strategy

Cluster-Level Entity Inventory Strategy

Context & Meaning Semantic Graph Engineering
Semantic Graph Layer

Semantic Graph Layer

Semantic Graph Engineering
Semantic Graph Engineering

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API & Exposition Machine Interface Layer
Machine Interface Layer & Projection Strategy

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Transport-Safe Content Layer
Transport-Safe Content Layer

Transport-Safe Content Layer

Retrieval Resilience Transport-Safe Content Strategy
Transport-Safe Content Engineering

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Observability Evidence Monitoring & Visibility
Evidence Monitoring & AI Visibility Observability

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